Freiburger Sommervorträge SS21 03 Krumeich

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  • hochgeladen 23. April 2021
  • Prof. Dr. Gerd Krumeich (Institut für Geschichtswissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf / Freiburg)
    Die unglaubliche Geschichte der Jungfrau von Orleans: Probleme einer Jeanne d´Arc-Biografie

    Jeanne d´Arc, die „Jungfrau von Orleans“, gehört zu den bekanntesten Gestalten des Mittelalters. Ihre unglaublichen Taten, ihre Erfolge und ihr Leiden - ihr Martyrium - haben seit mehr als 500 Jahren ein starkes Echo in Geschichtsschreibung, Literatur und Kunst gefunden. Entsprechend zahlreich sind die Biografien dieses so kurzen Lebens. Man schätzt ihre Anzahl auf mehr als 3.000, wobei die Spezialstudien nicht mitgezählt sind. Dies liegt auch daran, dass es für Jeanne eine ganz ungewöhnlich reiche Dokumentation gibt. Wir verfügen über die Akten des Verdammungsprozesses von 1431 und der Rehabilitation von 1450ff. Wenn im Inquisitionsprozess von 1431 ihre Aussagen über ihr Leben, ihre Taten und „Sendung“ oft wortgetreu überliefert sind, so wurden im Rehabilitationsverfahren mehr als 100 Menschen befragt, die sie seit ihrer Kindheit gekannt oder bei ihren Feldzügen begleitet hatten. Hinzu kommt, dass sie in allen zeitgenössischen Memoiren und Chroniken eine große Rolle spielt. Wahrscheinlich ist kein Mensch des Mittelalters besser dokumentiert als Jeanne d´Arc. Und doch bleibt es schwierig, dieser faszinierenden Gestalt biografisch gerecht zu werden. Im Vortrag soll gezeigt werden, wie sehr sich die Einschätzung ihrer Taten und Leiden je nach den Zeitläuften unterschieden, wie sie immer wieder in die Fänge politischer Instrumentalisierungen geriet. Nicht zuletzt aber auch, welche Probleme der emotionale Zugang zu dieser Heldin des Mittelalters auch heute noch mit sich bringt. Man hat die „biografische Illusion“ (Pierre Bourdieu) bereits heftig diskutiert, und das gilt für Jeanne d´Arc ganz besonders. Aber wie kann man sie gleichwohl angemessen porträtieren, so dass sie ein lebendiger Mensch in ihrer Zeit wird? Der Vortrag versucht, darauf eine Antwort zu geben.

    Referent/in:

    Prof. Dr. Gerd Krumeich (Institut für Geschichtswissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf / Freiburg)


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