Freiburger Sommervorträge SS21 08 Kaufmann

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Prof. Dr. Göz Kaufmann (Deutsches Seminar – Germanistische Linguistik)
Wären sie geblieben, gäbe es sie nicht mehr: Zum Hinterpommerschen in Brasilien

Aufgrund des Zweiten Weltkriegs gibt es in Europa niemanden mehr, der einen hinterpommerschen Dialekt spricht. Zwar zog es im 19. Jahrhundert viele Hinterpommern nach Übersee, doch auch in den USA, wohin die allermeisten Auswander(er/innen) gingen, hat sich das Hinterpommersche nicht halten können. Einzig in Brasilien, wohin nur eine kleine Minderheit auswanderte, sprechen heute noch etwa 250.000 Menschen einen hinterpommerschen Dialekt. Diese Dialekte werden in Brasilien gemeinhin als Pomerano bezeichnet. Das Pomerano ist für Sprachwissenschaftler/innen von besonderem Interesse, da es seit einem Sprachverbot im Jahr 1938 nicht mehr vom Standarddeutschen überdacht wird. So entwickelten sich morphosyntaktische und phonetische Auffälligkeiten, die in keinem anderen (nieder)deutschen Dialekt, ja oftmals sogar in keiner anderen westgermanischen Varietät vorkommen. Der Vortrag wird auf den portugiesischen Einfluss auf die Namengebung und Epitaphe eingehen, auf einige interessante Aussprachevarianten und auf die einzigartige Kodierung von Kontrafaktiva, also auf Sätze wie „wären sie geblieben …“.

Referent/in:

Prof. Dr. Göz Kaufmann (Deutsches Seminar – Germanistische Linguistik)


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